Featherfall für Dummies

Kennt ihr das auch?

Es gibt ja diese Muster die man sieht und bewundert und anschaut und dreht und googelt und sie noch tollerer findet und dann auch irgendwann mal ausprobiert. Und obwohl man ein wunderbares Stepout hat und das Muster eigentlich gar nicht so komplex ist, fehlt dem eigenen Ergebnis diese Schönheit, die man bei dem Muster eigentlich schätzt. Dieses gewisse Etwas, den Charakterkern... Ihr wisst, was ich meine? Irgendwie so als ob das Salz an der Suppe fehlt. Auch in meinen Kursen fragen mich die Teilnehmer ganz oft

Kannste mir mal sagen, ...

  • was du hier anders machen würdest?
  • warum das so anders aussieht als im Stepout?
  • wie ich das hinkriegen könnte?
  • (bitte beliebig fortführen)

Komischerweise sehe ich bei anderen relativ schnell die Unterschiede zur Vorlage, aber bei meinen eigenen Werken ist das so eine Sache... 

Ich gebe euch mal ein paar Beispiele: Manchmal ist es einfach nur die Schattierung, manchmal ist es ein kleines Detail. Bei Zinger die allererste Aura um den Stiel herum, die bildet die Basis für die anderen. Erst, seit ich sie fast ganz um den Stiel schließe, gefällt mir mein Zinger, seitdem aber so richtig gut. 

Cubine: Wenn sich die Außenlinien des Innenkaros an der gegenüberliegenden Linie des Rasters (quasi der ggü-liegenden Linie des Karos, das später ausgemalt wird) orientieren und parallel zu ihnen verlaufen, erscheint das Muster selbst in einem extrem verzogenen (gebogenen, gedehnten) Raster schön harmonisch. Hat das jetzt irgendjemand verstanden? 

Ich ändere auch gerne ein Muster ab, damit es mir gefällt: Verdigogh: Die ursprünglich eckigen "Nadeln" mag ich nicht. Die finde ich nicht schön. Ich lasse von dem Stiel in der Mitte erst einmal einen Strich ausgehen und umgebe den dann mit einer spitz zulaufenden Aura, so wie Rosmarinnadeln. So habe ich das auch in Providence gelernt und bin mit dem Muster seitdem versöhnt. Hier zeige ich euch mal die Ursprungsform (links) und wie ich es jetzt zeichen und unterrichte (rechts):

 verdigogh_vorher.jpg         verdigogh_nachher.jpg

Gut, zurück zum eigentlich Thema: Meine Nemesis war das Muster "Featherfall" von der amerikanischen CZT Carole Ohl. 

Was hab ich die Kacheln anderer Tangler bewundert, was habe ich wieder und wieder versucht und was habe ich geschmollt und überlegt, woran es liegen könnte, dass mein Featherfall so.. äh … ja doof und unschön war! Hier mal ein Versuch..

f-fall_skizzenbuch.jpg

Ende September aber fand ein Treffen einiger Zentangle-Lehrer aus dem deutschsprachigen Raum statt, also aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland. Und dort habe ich abends bei einem Glas Wein im trauten Kreis meinem Kummer Luft gemacht und in Simone Menzel, Jennifer Hohensteiner, Anya Ipsen und Anne Fiedler den Ehrgeiz geweckt, mir das zu verklickern. Allerdings konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass denen das Spaß gemacht hat :o) Schaut mal, was dabei entstanden ist:

Hier haben alle ein bissl mitgemacht:

 featherfall_all.jpg

Besonders charmant ist die Rückseite dieser Kachel :o):

for_dummies.jpg

Die zauberhafte Simone Menzel hat mir diese ATC zur Erinnerung an die schönen Tage geschenkt:

simone_featherfall.jpg

Und dann habe auch ich mich getraut und siehe da: Der Knoten ist geplatzt! Es lag daran, dass meine Spieße in der Mitte rechtwinkliger und kürzer als die anderer Künstler waren, dann sah am Ende die ganze Form völlig anders aus. Außerdem muss man die Auren erst einmal rundum aufbauen, nicht eine nach der anderen. Mein erstes, mit ängstlichen Linien entstandenes Werk hier in der Mitte, umrahmt von "Mutmachern":

feathertrio.jpg

Ich werde das Muster nun ausgiebig tangeln und ich noch mehr mit ihm vertraut machen, dann kann ich das Muster vielleicht schon in den Organic-Kurs im November integrieren. 

Danke ihr Lieben, dass ich mich in eure kundigen Hände begeben durfte. Liebe Leser: Wenn ihr auch solche Muster habt, die euch nicht gefallen wollen: Nicht aufgeben, vielleicht fragt ihr auch jemand anderen oder eine/n CZT, denn:

 ALLES IST MÖGLICH, EIN STRICH NACH DEM ANDEREN!

 Über eure Kommentare freue ich mich.

 

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