Getangelte Erinnerungen

Ein lieber Kollege und mittlerweile guter Freund hat sich entschieden, seinen Job zu kündigen, um den Pacific Crest Trail zu laufen. 4.000 km von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze, draußen oder im Zelt schlafen, alle 6-8 Tage mal neue Verpflegung kaufen, Klapperschlangen und Bären mal persönlich "Tachchen" sagen => durch die Wüste in die Berge. In dieser Zeit möchte er auch herausfinden, wohin ihn sein Leben führen wird. 

Ich bewundere ihn dafür und begeide* ihn auch ein wenig.
*Frei nach Hoecker: Wenn man jemanden um etwas beneidet, dann impliziert das für mich, dass man eben das demjenigen nicht gönne. Den PCT gönne ich ihm jedoch von Herzen und hätte zusätzlich selber gerne Mut/Zeit/Mumm/Kondition, whatever. Deswegen diese Wortschöpfung. Dennoch ist er jetzt nicht mehr mein Kollege, woran ich mich nur langsam und sehr widerwillig gewöhne.

Ich wollte ihm gerne ein Abschiedsgeschenk überreichen, das ihn an mich und unsere gemeinsame Zeit erinnert. Hier ein Foto von dem Ergebnis, ich beschreibe euch unten, was das eigentlich ist:

Das Bild für Daniel und Christin

Links seht ihr einen Rotkäppchen-Sektkorken, rechts einen Mumm-Dry-Sektkorken. Und in der Mitte, das gelbe, das ist ein Verschlussstopfen von diesen 25-Jahre-Mauerfall-Ballons, die am 9.11.2014 entlang des ehemaligen Mauerverlaufs in Berlin aufgestellt waren und die Lichtgrenze gebildet haben. Dieses Ereignis haben wir, Ossis und Wessis Arm in Arm, gefeiert, inkl. einer zauberhaften kleinen Ansprache in Leipzischerisch beim Öffnen der Rotkäppchen-Flasche (Viele Grüße, liebe Christin!).

IRGENDEINE(r) von uns kam hinterher aus eine SchnapsSektlaune heraus auf die Idee, so einen Ballonständer zu... äähhh... nehmen. Damit wir ihn besser transportieren können, haben wir das Wasser aus dem Sockel gelassen.

Natürlich wurden wir erwischt, aufgehalten, schräg angeguckt ("was sind das nur Subjekte, tsessesss...") und von der ganzen Aktion und vor allem dem Ballonständer ist am Ende nur Wassertankverschluss in meiner Hosentasche (der gelbe Stopfen in der Mitte des Bildes) übrig geblieben.

Dieser Rahmen samt Inhalt - das ist was ganz individuelles, und nicht nur durch die getangelten Muster steckt da ganz viel von mir drin. 

Daniel, alles Gute auf deinem Weg, lots of hugs! Heute habe ich folgendes für dich gefunden:
"Wandern bedeutet, alle Hast zu vergessen und zu schauen, was übrig bleibt."
(Rommert Boonstra, niederländischer Fotograf und Dichter)

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